... ist die Bühne für eine Schulklasse aus einer vergangenen Zeit. 1947 - 1956 durchliefen wir diese Zeit an unserem (bis 1955) reinen Knaben-Gymnasium, das damals noch sperrig "staatl. altspr." hieß. Wenn man die Website des heutigen "Rats"gymnasium besucht, ist ein Wandel des Selbstverständnisses recht klar zu erkennen. Die zu unserer Zeit überschaubare Schülerzahl von rund 350 ist auf ca. 1000 angestiegen. Das ist sicher erfreulich. Was aber ist vom einst klassischen humanistischen Bildungsideal übriggeblieben? Viel? Wenig? Garnichts? Nicht mehr das Altsprachliche ist Bestimmung, sondern bunte Vielfalt mit einem Hauch jener Beliebigkeit, die auch im Alltagsleben bestimmend geworden ist. Neueste Entwicklung ist die zu einem "Ganztags-Gymnasium", um wie es sehr pädagogistisch heißt, "allen Schüler/innen – unabhängig von ihren Voraussetzungen und Fähigkeiten – die Chance zu einer positiven schulischen Lernbiographie" zu geben. Latein ist immerhin noch Bestandteil des Lehrplanes, doch wird Altgriechisch nur in einer Arbeitsgemeinschaft - zusammen mit Chinesisch angeboten. Natürlich werden Physik, Chemie, Biologie und Informatik (die es bei uns noch nicht gab) in einem zweckdienlichen Neubau unterrichtet, und das muss so sein. Andererseits muss man wohl, um Altgriechisch zu unterrichten, auf die oft schwierige Suche nach entprechend ausgebildeten Lehrern gehen, wie uns anläßlich unserer 50-Jahr-Feier 2006 der Schulleiter sagte. Wert wird immerhin auf die musische Bildung wie Musik und Kunst, gelegt, und das finde ich hervorragend, denn diese fördern die Persönlichkeit, und Persönlichkeitsbildung scheint denn |
doch weiterhin eines der Haupterziehungsziele an unserer Schule zu sein. Beruhigend. Und wenn man sich das "Schulprogramm", eine PDF-Datei mit den schulischen Grundsätzen, ansieht, kann man eigentliche, weitere und positive Aspekte unserer Schule der Jetztzeit entdecken. Rats - diese merkwürdige Abkürzung scheint sich eingebürgert zu haben. Irgendwie komisch, dieser Nagetier-Bezug. Diese Schule war ja früher mal ein streng lutherisch-reformiertes Gebilde, anfangs eine Lateinschule; warum hat man sie da nicht Martinus-Luther-Gymnasium genannt? Ist aber wohl erledigt und müssig, darüber nachzudenken. Aber Rattenschule???
Ist eigentlich allen von uns klar, dass wir eine der ältesten Schulen des westfälischen Raumes besucht haben? Darüber müssen wir nochmals gesondert nachdenken. 475-Jahrfeier - das ist doch schon was. Und was war 1530 eigentlich für ein Jahr? Wenn wir - die 56er aus einem Schulkörper mit sicher strengerem humanistischem Bildungsanspruch als heute - uns als Zeitzeugen aufmachen, Erinnerungen zu pflegen und diese vielleicht an die heutige Generation als Zeitzeugen weiterzugeben, soll das eine der Aufgaben dieser Website sein. Es ist eine Chance, Werte zu vermitteln. Denn das lesen heute die Jungen fast nur noch mit dem Internet, damit erreichen wir sie, in Zeiten von Twitter, Facebook, von schülerVZ und studiVZ... Wir Oldies sind eben doch nicht so uncool - und Grufties schon gar nicht!! Noch nicht...
Günter Hennersdorf, im März 2010 |